Intelligente Vernetzung
Der Transformationsprozess der Universitätsmedizin Essen
Die Medizin und damit auch die Krankenhäuser stehen vor der tiefgreifendsten Veränderung ihrer Geschichte. Sie müssen sich einem mehrfachen Paradigmenwechsel stellen: Die demographische Entwicklung in vielen Industrieländern, eine zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesens sowie damit verbundene Herausforderungen wie etwa der Pflegenotstand machen innovative und mutige Denkansätze erforderlich, um auch künftig eine patientenorientierte, für alle zugängliche medizinische Versorgung zu gewährleisten. Das zentrale Instrument dazu ist die Digitalisierung.
Die Universitätsmedizin Essen – führender Anbieter spitzenmedizinischer Leistungen im größten industriellen Ballungszentrum Europas – begreift Digitalisierung als einmalige Chance, das Krankenhaus der Zukunft zu gestalten.
Die Idee des vernetzten „Smart Hospital“ umfasst dabei sämtliche Bereiche und ist als unternehmerische Strategie Grundlage aller Entscheidungen, von Investitionen in medizinische Geräte, den Aufbau der notwendigen IT-Infrastruktur bis hin zu Berufungen und Personalentscheidungen.
Die Transformation der Universitätsmedizin Essen zum Smart Hospital ist kein Selbstzweck, sondern verfolgt ein klares Ziel mit zwei zentralen Maximen:
- dem Wohl der Patientinnen und Patienten zu dienen, ihre Heilung zu fördern und ihnen schnellen Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen zu ermöglichen
- verbesserte Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor allem in der Pflege zu schaffen, insbesondere durch den Einsatz digital gestützter Dokumentation bis hin zum Einsatz von Robotik.
Perspektiven "Smart Hospital"
Auf dem Weg zum Krankenhaus der Zukunft
Die digitale Transformation hat begonnen
Das Smart Hospital wird an der Universitätsmedizin Essen in zentralen Handlungsfeldern bereits konkret umgesetzt:
Medizin:
Die konzernweite Einführung der Elektronischen Patientenakte in 2018, den Einsatz von kognitiven Intelligenzsystemen, den Aufbau eines sektorenübergreifenden Telemedizinnetzes, eine digitalisierte Pathologie, den datengestützten Vergleich von Chancen und Risiken der Therapie insbesondere in komplexen Krankheitsfeldern.
Pflege:
Entlastung der Pflegekräfte von fachfremden Aufgaben durch digitale Assistenzsysteme, den Aufbau und Betrieb eines digitalen Service- und Informationscenters, den perspektivischen Einsatz von Robotern. Alle Maßnahmen zielen darauf ab, wieder mehr Zeit für die Patientin und den Patienten zu ermöglichen.
Unternehmenskultur:
Das Aufbrechen, tradierter Kommunikations- und Führungsmodelle, die Überführung in einen kollaborativen Arbeitsstil, die Verbindung von Medical UND Digital Leadership, letztlich ein Paradigmenwechsel im Führungsverhalten, vor allem in den tradierten, spitzenhierarchischen Führungsstrukturen einer Universitätsmedizin.
Empathie und Ethik:
Gründung des bundesweit ersten „Institut für PatientenErleben“, das Denken der internen Prozesse „vom Menschen her“, die Etablierung einer interdisziplinären „Ethik-Ellipse“ für neuartige ethische Fragstellungen im Rahmen der Digitalisierung.
Projekt SMITH
Seit März 2018 ist die Universitätsmedizin Essen dem Medizininformatik-Verbund beigetreten. Der Verbund trägt den Namen SMITH – Smart Medical Information Technology for Healthcare.
Um die medizinischen Routinedaten der Forschung zugänglich zu machen, arbeiten Wissenschaftler und IT-Personal der Uniklinika Aachen, Bonn, Düsseldorf, Essen, Halle, Hamburg-Eppendorf, Jena, Leipzig und Rostock in einem Verbund mit weiteren Partnern eng zusammen.
Datenintegrationszentrum (DIZ)
Das Datenintegrationszentrum an der Universitätsmedizin Essen wurde 2018 im Rahmen des SMITH Projektes gegründet. Es verantwortet die zentrale und standardisierte Bereitstellung von Krankenhausdaten der UME.
Es stellt Echtdaten für Kliniker:innen am Haus und anonymisierte Daten für Forscher:innen zur Verfügung. Dabei müssen Patient:innen explizit zustimmen, dass Ihre Patientendaten für Forschungszwecke verwendet werden dürfen. Diese Zustimmung geben die Patienten durch Ausfüllen eines eigens dafür angefertigten Dokuments, dem Broad Consent.
Beispiele für Smart-Hospital
Künstliche Intelligenz in der Röntgendiagnostik
Unsere Patienten profitieren von der Erfahrung unserer Ärzte ebenso wie vom Einsatz...
…künstlicher Intelligenz in der Röntgendiagnostik. Denn – im Gegensatz zum Menschen – übersehen diese Systeme kein Detail einer CT-Aufnahme und speichern diese Daten dauerhaft. Durch intelligente Datenbankverknüpfungen erwächst daraus eine „Erfahrung“, die der menschlichen überlegen ist. So können Diagnosen bereits heute nicht nur schneller erfolgen, sondern sind auch wesentlich umfassender als noch vor wenigen Jahren. Ziel ist es, in Zukunft einen Fall mit der stetig wachsenden Datenbank abgleichen zu können und so die ärztlichen Diagnosen noch weiter zu verbessern.
Beispiele für Smart-Hospital
Operationen mit dem „DaVinci“-Operationssystem
Die roboterassistierte Chirurgie kommt in der Universitätsmedizin Essen vor allem in ...
Beispiele für Smart-Hospital
CAS = computer assisted surgery
Den Einsatz von telematischen Systemen zur Diagnose, aber auch im Rahmen von...
…operativen Eingriffen wird kontinuierlich verbessert und ausgebaut. Bei der „Computerassistierten Chirurgie (computer assisted surgery = CAS)“ kommen digitale Technologien sowohl für die Planung als auch bei der Durchführung chirurgischer Eingriffe zum Einsatz. Die chirurgische Navigation ist mit modernsten Visualisierungs- und Bildfunktionen ausgestattet. Das ermöglicht unseren Chirurgen schon heute eine genaue dreidimensionale Orientierung und somit ein hohes Maß an Sicherheit und Präzision während der Operationen. Die Computerassistierte Präzisionschirurgie wird perspektivisch eine Vielzahl der Eingriffe der klassischen Chirurgie ersetzen: Weniger Infektionen, weniger Blutungen, weniger Komplikationen, weniger Todesfälle sprechen dafür. Die Integration präoperativer Bildgebung, die Markierung sensibler Strukturen und insbesondere die breite Schnittstelle zur modernen digitalen Welt eröffnen darüber hinaus völlig neue Dimensionen der modernen Chirurgie.
Beispiele für Smart-Hospital
Digitalisierte Labormedizin
Als eine der ersten Kliniken in Deutschland hat die Universitätsmedizin Essen ihre ...
…Labormedizin komplett digitalisiert. Neben spezialisierten Ärzten arbeitet heute ein Team von hochqualifizierten Medizininformatikern an der Auswertung von Labordaten sowie an der Entwicklung der digitalen Systeme und der Optimierung der Automatisierungsgrade. Der Vorteil für unsere Patienten: Durch die automatisierte, effiziente und validierbare Prozessgestaltung werden Hinweise auf Erkrankungen neutral und präzise identifiziert. Gleichzeitig erhalten unsere Ärzte die bestmögliche Datenbasis zur weiteren Therapieplanung. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Westdeutsche Biobank Essen (WBE). Seit ihrer Einrichtung 2014 wurden rund 300.000 Proben archiviert, die bereits in zahlreichen Forschungsprojekten genutzt werden konnten.
Beispiele für Smart-Hospital
Digitale Pathologie
Der Einsatz von digitalen Mikroskopen und Schnitt-Scannern in der Pathologie der...
…Universitätsmedizin Essen sowie die Entwicklung entsprechender Softwaretools vereinfacht und präzisiert die morphologische Analyse. Digitale Fall-Archive ermöglichen den schnellen Zugriff auf alle früheren Schnitte eines Patienten. Ebenso erleichtern die Systeme die Quantifizierung diagnostischer Marker. Damit können unsere Pathologen auf standardisierte Bewertungskriterien zurückgreifen und zielgenaue Diagnosen stellen.
Beispiele für Smart-Hospital
3D-Druck in der Medizin
Seit Anfang 2016 unterstützt eine 3D-Druck-Technologie die Ärzte der ...
…Universitätsmedizin Essen. Mittels einer an unserem Klinikum entwickelten Software sind unsere Ärzte in der Lage, Nachbildungen von Knochen, Organen oder Gewebeteilen anhand von Computertomographie-Daten „auszudrucken“. Unsere Ärzte nutzen die Nachbildungen, die im Hause von einem Spezial-Drucker erstellt werden, zur Planung von Operationen oder als „Blaupause“ für die Anpassung von Prothesen. Kleinere Knochen- oder Knorpelteile können anhand der in Essen erzeugten Daten mithilfe von additiven Fertigungsverfahren in Speziallaboren im 3-Druck angefertigt werden.
Was uns morgen bewegt
Die Universitätsmedizin Essen setzt auf eine zunehmende IT-Durchdringung und die Einführung der elektronischen Patientenakte. Damit können Ressourcen effizienter genutzt und die Behandlung von Patienten weiter verbessert werden.
Neben der elektronischen Patientenakte geht die Universitätsmedizin Essen mit Innovationen voran und plant in naher Zukunft u. a. ein Robotikzentrum, die Einführung eines digital unterstützten Call Centers sowie eine eigenständige Abteilung für den 3D-Druck.
Auch im Gesundheitssektor geht der Trend verstärkt in Richtung vernetzter Strukturen und mobiler Endgeräte. Da IT-Infrastruktur, IT-Sicherheit und Datenschutz an Bedeutung gewinnen, steht ebenso die Einrichtung einer übergreifenden Abteilung für IT-Sicherheit auf der Agenda der Universitätsmedizin Essen. Die Digitalisierung ermöglicht die Optimierung von Interdisziplinarität und stellt die ideale Verknüpfung zentraler medizinischer Bereiche mit den Fachkliniken her.
Qualität in der Gesundheitsversorgung
Smart Hospital hautnah erleben
Unter PatientenErleben versteht man die Summe aller Interaktionen einer Patientin und eines Patienten mit einer Klinik. Also alles das, was eine Patientin und ein Patient sieht, hört, berührt, denkt und erlebt während seines ambulanten oder stationären Aufenthaltes.
Die Summe dieser Eindrücke und Erlebnisse – seine Wahrnehmung z.B. der Infrastruktur, der Abläufe, der Mitarbeitenden – prägen sein persönliches „Erlebnis“. Dieses Erleben macht letztendlich seine Zufriedenheit und seine Bewertung der Klinik aus.
Als integraler Bestandteil von Qualität in der Gesundheitsversorgung umfasst das PatientenErleben – neben der rein medizinischen Leistung – also viele andere Aspekte eines Klinik-Aufenthaltes, welche die Patientinnen und Patienten stark bewerten wie z.B.: Orientierung in einem Klinikum, Räumlichkeiten, effiziente Abläufe, akzeptable Wartezeiten, patientenfreundliche Informationen oder beziehungsorientierte Kommunikation mit Ärztinnen und Ärzten. Doch auch bereits Aspekte der Vorbereitung eines Patienten-Aufenthaltes in einer Klinik oder die Nachbereitung gehören zum PatientenErleben.
Wir in der Universitätsmedizin Essen nennen das
360° PatientenErleben.